Welche Religion entspricht meiner Philosophie?

Seit einigen Jahren führt uns der Wahl-o-mat über einige Fragen zur für uns passende Partei. Wäre so ein „Relimat“ nicht auch eine sinnvolle Hilfe für die Findung der zu meiner Lebens- und Glaubenseinstellung passenden Religion?

Welche Religion deckt sich mit meinem Lebens- / Gottesbild?

So einfach ist das natürlich nicht, denn die kulturellen Unterschiede sind oft nur schwer zu überbrücken. Außerdem sind Religionen vielfach zersplittert, sodass man sie nicht einfach vergleichen kann. Oft steht auch die offizielle Glaubenslehre im Widerspruch sowohl zur ursprünglichen Idee als auch zum praktizierten Glauben in den einzelnen Gemeinden.

Das wird besonders deutlich in der katholischen Kirche: Da kämpfen Kardinäle gegeneinander sowohl um Macht als auch um Glaubensinhalte, und sogar gegen den Papst wird intrigiert. Das setzt sich nach unten über die Diözesen bis in die Gemeindeebene fort. Bei all dem Streit gerät die ursprüngliche Idee, der jesuanische Gedanke allzu leicht in Vergessenheit.

Statt im Religionsunterricht streng konfessionsgebunden zu lehren, plädiere ich dafür, den Schülern ein Grundverständnis der Weltreligionen zu vermitteln. Schließlich sollen mündige Bürger heranwachsen, die als Erwachsene selbst entscheiden können, ob bzw. welcher Religion sie angehören möchten. Außerdem fördert ein religionsübergreifender Unterricht das Verständnis und den Respekt für andere Religionen und Ethnien.

Die Weltreligionen

 

Religionen in Deutschland

Die hohe Quote an Kirchaustritten wird im Beitrag „Ist die Kirche noch zu retten?“ behandelt. Konfessionslose sind mittlerweile (Mai 2024) beinahe so viele wie Bürger, die noch einer Konfession angehören.

 

Die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) gibt für 12/2023 folgende Zahlen an: Katholische Kirche 25%; Evangelische Kirche 23%; Muslime 4%; Christlich Orthodoxe 2% und andere Religionszugehörigkeiten 2%.

Die beiden großen christlichen Konfessionen

Wo liegen nun die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede der evangelischen und der katholischen Kirche?

Gemeinsamkeiten:

  • Beide Konfessionen basieren auf dem Glauben an Jesus Christus als den Sohn Gottes und Erlöser der Menschheit.
  • Beide akzeptieren die Bibel als Heilige Schrift.
  • Sie teilen das Apostolische und das Nicänische Glaubensbekenntnis.
  • Beide anerkennen die Taufe und das Abendmahl (Eucharistie bei den Katholiken) als Sakramente.
  • Gottesdienste beinhalten Bibellesungen, Predigten und Gebete.
  • Musikalische Elemente wie Gemeindegesang und Orgelmusik sind in beiden Traditionen wichtig.

Unterschiede:

  1. Kirchenstruktur und Autorität:
    • Katholische Kirche: Hat eine hierarchische Struktur mit dem Papst als oberste Autorität. Bischöfe und Priester spielen eine zentrale Rolle in der Verwaltung und Lehre der Kirche. Ein Priester hat die Gemeindeleitung. Die Gemeindemitglieder dürfen zwar mitreden, aber letztlich hat der Priester bzw. der Bischof die letztliche Macht.
    • Evangelische Kirche: Ist presbyterial-synodal organisiert, d.h., die Leitung liegt bei auf Zeit gewählten Gremien als Vertreter der Gemeinden. In der Gemeinde ist es der Kirchenrat/das Presbyterium, in den Synodalverbänden sind es die Synode und ihr Moderamen (Moderator). Die Verfassung der Evangelischen Kirche kennt in der Kirche kein “Oben” und “Unten”.
      Es gibt keine zentrale Autorität wie den Papst.
  1. Theologie und Lehre:
    • Katholische Kirche: Betonung auf Tradition und die Lehre der Kirche neben der Bibel als ergänzende Quelle der göttlichen Offenbarung. Die sieben Sakramente (Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe) sind zentral.
    • Evangelische Kirche: Starker Fokus auf die Bibel allein (sola scriptura) als Quelle der göttlichen Offenbarung. Anerkennt nur zwei Sakramente (Taufe und Abendmahl) als von Jesus eingesetzt.
  2. Sakramente und Liturgie:
    • Katholische Kirche: Die Eucharistie ist der Mittelpunkt des Gottesdienstes und wird als tatsächliche Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi verstanden.
    • Evangelische Kirche: Abendmahl wird symbolisch verstanden und betont die Erinnerung an das letzte Abendmahl Jesu.
  3. Heiligenverehrung und Marienkult:
    • Katholische Kirche: Verehrt Maria und die Heiligen und sieht sie als Fürsprecher vor Gott.
    • Evangelische Kirche: Lehnt die Heiligen- und Marienverehrung weitgehend ab und betont die direkte Beziehung jedes Gläubigen zu Gott.
  4. Kirchliches Amt und Priesterbild:
    • Katholische Kirche: Die Priester verstehen sich bei der Eucharistiefeier als Stellvertreter Jesu („Es ist aber der geweihte Priester, der in der Person Christi das eucharistische Opfer vollzieht und es im Namen des ganzen Volkes Gott darbringt [LG 10]).
      Noch können nur Männer zum Priester geweiht werden und noch müssen sie zölibatär leben.
    • Evangelische Kirche: Pastoren können heiraten und sowohl Männer als auch Frauen können das Pfarramt ausüben. Sie werden nicht zum Priester geweiht, sondern schlicht gesendet.

Möglichkeiten der Zusammenarbeit:

  • In vielen Gemeinden gibt es bereits ökumenische Zusammenarbeit, z.B. in gemeinsamen Gottesdiensten, Bibelkreisen und sozialen Projekten.
  • Diese Zusammenarbeit könnte weiter intensiviert werden, um die Ressourcen zu bündeln und gemeinsame Anliegen zu fördern.
  • Dokumente wie die “Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre” zwischen katholischen und evangelischen Kirchen zeigen, dass Einigungen in zentralen theologischen Fragen möglich sind.
  • Im Hinblick auf schrumpfende Mitgliederzahlen bei beiden Konfessionen könnte die gemeinsame Nutzung von Kirchengebäuden eine praktische Lösung sein. Dies könnte nicht nur die finanzielle Belastung verringern, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl stärken.
  • Gemeinsame pastorale Teams könnten in Regionen mit knappen personellen Ressourcen eine Möglichkeit sein, um Gottesdienste und Seelsorge effizienter zu organisieren.

Sind die Unterschiede zu überwinden?

Betrachten wir die wesentlichen Differenzen zwischen der evangelischen und der katholischen Glaubenslehre, fällt mir als Laie auf, dass sie nicht “gottgegeben”, sondern von den “Machthabern” in den Kirchen geschaffen sind. Mein Kompass ist der Geist Jesu, dem das Urchristentum noch sehr nahe war. Davon hat sich das Christentum heute weit entfernt. Warum soll es nicht möglich sein, diese “hausgemachten” Lehren, Gesetze und Regeln im Sinne Jesus zu korrigieren? Die katholische Führung weigert sich Reformen beharrlich.

Mit der Reformation unter Martin Luther hat sich die evangelische Kirche abgespalten und von vielen fragwürdigen Lehren befreit. Auf die obigen Unterschiede bezogen, steht mir die evangelische Kirche näher, aber welche ihrer zwanzig Gliedkirchen? Die Vielfalt kann bereichernd sein, erschwert aber für Außenstehende den Überblick. Entscheidend ist, dass wir andere Glaubensrichtungen nicht bewerten, sondern ihnen gegenüber offen sind, sie akzeptieren ohne sie annehmen zu müssen.

So bleibt die Hoffnung, dass sich beide großen christlichen Konfessionen wesentlich annähern. Vielleicht hilft der ökonomische Druck durch die Kirchenaustritte auf beiden Seiten, sich auf das wesentliche zu besinnen. Dann spielt Kirchen- und Machtpolitik keine Rolle mehr. Könnte dann eine einzige, aber vielfarbige christliche Kirche unter synodaler Leitung entstehen?

Andere Religionen / Konfessionen

 

Islam:

  • Glaubensgrundlage: Monotheistisch, Glaube an Allah als den einen Gott und Mohammed als seinen letzten Propheten.
  • Heilige Schrift: Der Koran.
  • Religiöse Praxis: Die fünf Säulen des Islam (Schahada, Gebet, Fasten, Almosen und Pilgerfahrt), tägliche Gebete.
  • Erlösung: Glaube an die Gnade Allahs und die Wichtigkeit guter Taten.
  • Gründung: Im 7. Jahrhundert n. Chr. durch die Offenbarungen an Mohammed in Mekka.

Jüdische Religion:

  • Glaubensgrundlage: Monotheistisch, Glaube an einen einzigen Gott, der einen Bund mit dem Volk Israel geschlossen hat.
  • Heilige Schrift: Tanach (Altes Testament) und der Talmud.
  • Religiöse Praxis: Sabbat, koscheres Essen, Gebote und Feste wie Passah, Jom Kippur.
  • Erlösung: Fokus auf die Einhaltung des Gesetzes und die Erwartung des Messias.
  • Gründung: Im 2. Jahrtausend v. Chr. durch die Berufung Abrahams in der Region Kanaan.

Sikhismus:

  • Glaubensgrundlage: Monotheistisch, Glaube an einen allmächtigen Gott, Ik Onkar, der durch die Lehren der zehn Sikh-Gurus offenbart wurde.
  • Heilige Schrift: Guru Granth Sahib.
  • Religiöse Praxis: Tägliche Gebete, Meditation, Feiern von Festen wie Vaisakhi, und die fünf K’s (Kara, Kirpan, Kesh, Kanga, Kachera).
  • Erlösung: Streben nach Einheit mit Gott durch Gebet, ehrliches Leben und Dienst an der Menschheit.
  • Gründung: Im 15. Jahrhundert n. Chr. durch Guru Nanak in der Region Punjab, Indien.

Buddhismus:

  • Glaubensgrundlage: Nicht-theistisch, Lehre von den Vier Edlen Wahrheiten und dem Achtfachen Pfad zur Erleuchtung.
  • Heilige Schrift: Tripitaka (Pali-Kanon) und andere Sutras.
  • Religiöse Praxis: Meditation, Ethik (Sila), Weisheit (Prajna) und das Streben nach Nirvana.
  • Erlösung: Erreichen des Nirvana durch Überwindung von Leid und Begierde.
  • Gründung: Im 5. Jahrhundert v. Chr. durch Siddhartha Gautama (Buddha) in Indien.
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