Glaubensbekenntnis – hinterfragt

Glaubensbekenntnis, Kirche

Im Gottesdienst war es zu meiner Kindheit noch fester Bestandteil. Heute wird das apostolische Glaubensbekenntnis in manchen Gottesdiensten immer noch gebetet. Es soll die Anerkennung der kirchlichen Lehre manifestieren und alle Christen zusammenführen. Von frühchristlichen Kirchenführern verfasst, wurde es mehrfach geändert und enthält die wichtigsten Eckpfeiler christlicher Lehre.

Gebet oder Vorschrift?

Im ersten Vatikanischen Konzil 1867-1870 wurde die Bedeutung des Glaubensbekenntnisses formuliert: (Quelle: Wikipedia)

„Mit göttlichem und katholischem Glauben … ist all das zu glauben …, was im geschriebenen oder überlieferten Wort Gottes enthalten ist … und von der Kirche im feierlichen Lehrurteil oder durch gewöhnliche und allgemeine Lehrverkündigungen als von Gott geoffenbart zu glauben vorgelegt wird ….“

Dieser Satz hat es in sich! Die Kirche legte verbindlich fest, was zu glauben ist. Das wurde bis weit ins 20. Jahrhundert hinein von vielen Gläubigen noch akzeptiert, auch weil Autorität stärker als heute anerkannt war. Sachlich war dieses Dekret schon deshalb falsch, weil tragfähiger Glaube zu erfahren ist, nicht befohlen werden kann.
Auf Kritik am Glaubensbekenntnis antworten Geistliche oft mit fragwürdigen Auslegungen. Das sei ja so gar nicht gemeint, wie es gebetet wird. Und tatsächlich gibt es Bücher mit wunderbar geschmeidig süß formulierten Interpretationen (z.B. „Credo“ von David Steindl-Rast, den ich sehr schätze). Solch sinnbildliche Auslegungen sind schön zu lesen und ich kann inhaltlich in weiten Teilen mitgehen. Aber sie haben mit den gebeteten Texten nichts gemein. Deshalb empfinde ich solche „Erklärungen“ als Versuch, manche christlichen Lehrsätze zu rechtfertigen. Das Glaubensbekenntnis ist aber keine heilige Schrift. Man darf es folglich der gewollten Aussage anpassen, sodass willkürliche, wenn auch gut gemeinte Interpretationen überflüssig sind.
Mit meiner Kritik will ich nicht bekehren oder belehren, sondern dazu anregen, darüber nachzudenken, was wir da beten.

Meine Kritik im Detail

Ich glaube an Gott: Ich auch! Gott ist die Mutter unserer wunderbaren Schöpfung, in der alles seinen Sinn hat. Gott irrt nicht.
Den Vater: Wem die Metapher hilft, möge sie behalten.
Den Allmächtigen: Vorsicht! Das suggeriert einen interagierenden Gott, der alles machen, alles geschehen lassen oder ändern kann, wie es ihm beliebt. Das kann ich mir nicht vorstellen. Dann würde er ja Unrecht verhindern, in Rom aufräumen, Not lindern…
den Schöpfer des Himmels und der Erde: Der Schöpfer des unendlichen Universums. Unser Planet ist ein unvorstellbar winziger Teil davon. Alles Leben entwickelt sich weiter, funktioniert, repariert sogar (noch) menschliche Schädigung. Blicken wir beispielhaft nur auf uns Menschen. Unser Körper ist genial erschaffen und von der Befruchtung bis zum letzten Atemzug ein einziges Wunder. Gottesglaube ist, wenn ich dieses Wunder in Demut und Dankbarkeit anerkenne. Dazu gehört auch, Kriege, Katastrophen und persönliche Not anzunehmen, wenn ich sie nicht ändern kann. Dafür ist Gott nicht verantwortlich. Es liegt an uns, was wir aus der Schöpfung machen.
Und an Jesus Christus: JA! Jesus ist Leitfigur und Beispiel. Ein mutiger Reformer, der kompromisslos seiner Seele gefolgt ist.
Seinen eingeborenen Sohn: Da scheint es, einen dogmatischen Widerspruch zu geben: Wenn wir nach kirchlicher Lehre alle Töchter und Söhne Gottes sind, kann Jesus nicht eingeborener Sohn sein. Gott differenziert nicht zwischen ein bisschen mehr oder weniger Gotteskind.

Unsern Herrn: Für mich steht Gott ganz oben. Es braucht keinen Herrn und es braucht die Überhöhung Jesu nicht. Jesus war ein großartiger Mensch und hat uns beispielhaft gezeigt, was es heißt, an Gott zu glauben. Sein Glaube hat ihn getragen und ihm Dinge ermöglicht, die uns unvorstellbar erscheinen.
Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria: Diesen Satz kann ich mir nur mit der Sexualmoral der Verfasser im fünften Jahrhundert erklären. Dabei haben sie übersehen, dass Gott auch die körperliche Lust und die Anziehungskraft der Geschlechter bedacht hat.
Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben: Historisch ohne Widerspruch.

Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters: Historisch höchst fragwürdig und umstritten. Ich bezweifle diesen Vorgang und sehe es eher als konstruierte Lehre zur Überhöhung Jesu. Die Entstehung des Christentums basiert wesentlich auf der Lehre zur Auferstehung Jesu. Mein Glaube an Gott speist sich aus der Schöpfung und meiner Lebenserfahrung. Das reicht vollkommen!

Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten: Diese Drohung hat die Menschen nicht nur an die Institution gebunden, sondern vermutlich auch zu redlicherem Lebenswandel angehalten. Das rechtfertigt aber nicht solch furchtbar wirkende Lehre, die ich mit einem liebenden Gott nicht in Einklang bringen kann. Das Leben richtet uns. Wir bekommen die Antwort auf unser Tun meist unmittelbar oder mit kurzer Verzögerung.
Ich glaube an den Heiligen Geist: Ist Gott nicht heiliger Geist bzw. ist der Geist nicht von Gott geschenkt? Der Geist ist doch untrennbar an Gott gebunden. Der Geist wie auch Jesus sind von Gott gesandt und deshalb IHM nachrangig. Insofern wirkt die Trinitätslehre auf mich skurril.

Die heilige katholische Kirche: Wie kann eine Institution heilig sein? Heilig ist alles von Gott Geschaffene. Die Kirche gehört nach meinem Verständnis nicht dazu, insbesondere angesichts schwerwiegender Fehler in ihrer Geschichte.

Gemeinschaft der Heiligen: Wer ist damit gemeint? Die Kirchenlehre meint vermutlich, dass es heiligere und weniger heilige Menschen gibt und das kann ich mit meinem Gottesverständnis nicht in Einklang bringen. Auch die Evolution ist göttlich und hat uns Menschen aus den Primaten hervorgebracht. Nur weil wir höher entwickelt sind als die Tiere, sind wir nicht heiliger als sie. Wenn mit der Gemeinschaft der Heiligen die Gemeinschaft aller Menschen, vielleicht sogar die Gemeinschaft mit allem Leben gemeint ist, bin ich damit einverstanden.

Vergebung der Sünden: Die Vergebung der Sünden geschieht nicht einfach so. Sie beginnt bei mir selbst und setzt sowohl Erkenntnis als auch Reue voraus. Dann sind die Sünden auch von Gott vergeben. Dazu braucht es weder Jesus als „Sündenlamm“ noch eine formale Absolution. Wohl kann uns die Orientierung an Jesus wie auch der spirituelle Austausch mit Geist erfüllten Menschen bei der Vergebung unserer Sünden helfen.

Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen: Die Auferstehung und das ewige Leben sind Grundpfeiler christlicher Lehre. Wenn wir Menschen uns nicht für etwas Besseres halten als alles Leben, glaube ich an ewiges Leben im Sinne eines natürlichen Kreislaufs.

Alternative Gebete, die als solche gelten können

Es gibt wunderschön beschreibende Texte, wie das Glaubensbekenntnis zu verstehen ist. Den meisten Erklärungen kann ich zustimmen. Warum schreibt und betet man es nicht so, wie es verstanden werden soll? Die deutsche Sprache bietet die besten Möglichkeiten dazu. Worte wirken in uns, und zwar so, wie sie ausgesprochen werden. Deshalb sollten wir uns die fatale Wirkung bewusst machen, die der oben kritisierten Fassung innewohnt.

Für mich kann das Glaubensbekenntnis in der derzeitig „kirchenamtlichen“ Fassung kein Gebet sein, weil es zu viele Widersprüche und falsche Aussagen enthält. Es bringt uns Gott nicht näher, sondern soll die Macht und Einheit der Amtskirche stärken. Deshalb lehne ich es ab und ich finde, es ist in Gottesdiensten fehl am Platz.

Es gibt mehrere alternative Gebete dazu, deren Ursprung meist aus der evangelischen Gemeinschaft kommen. Sie sind zwar nicht „amtlich zugelassen“, aber immerhin geduldet. Nachfolgend ein ökumenisch-inklusives Glaubensbekenntnis:

 

Wir glauben an Gott,
die schöpferische Kraft,
Ursprung allen Lebens.

Wir glauben an Jesus Christus,
Mensch gewordene Liebe Gottes,
der uns gezeigt hat,
wie Gott mit uns ist:
heilend, ermutigend, vergebend.

Durch seinen Tod und seine Auferstehung
glauben wir an das Leben,
das stärker ist als der Tod.

Wir glauben an die heilige Geistkraft,
die in uns wirkt,
Gemeinschaft stiftet
und uns befähigt,
für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten.

Wir vertrauen auf Gottes Nähe –
heute, morgen und in Ewigkeit.
Amen.
(Verfasser/-in konnte ich nicht herausfinden)

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