Regierungswechsel im Vatikan: Papst LEO XIV

Papst Franziskus ist am 21. April 2025 verstorben. Der nächste Papst ist Leo XIV.  Er wurde am 8. Mai 2025 zum 267. Pontifex der Katholiken gewählt und ist der erste US-Amerikaner in diesem Amt. Vor seiner Wahl war er als Kardinal tätig und brachte umfangreiche Erfahrungen aus den USA, Peru und Rom mit. Als Mitglied des Augustinerordens sind ihm Werte wie Demut, Dienst und Gemeinschaft wichtig. Seine internationale Erfahrung, insbesondere in Lateinamerika, verleiht ihm eine weltzugewandte Perspektive. Was wird sich ändern? Geht er wieder einige Schritte zurück oder legt er den Turbogang in die Zukunft ein? Sein Vorgänger hat jedenfalls hoffnungsvolle Zeichen gesendet.

Franziskus, der Reformer

Papst Franziskus stand für einen pastoralen, offenen und sozial engagierten Kurs. Seine Reformen stießen jedoch auf hartnäckigen Widerstand innerhalb der Kurie, die teils stärker auf traditionelle Strukturen und bestehende Machtverhältnisse bedacht war.

Seine wichtigsten Verdienste:

Soziale Gerechtigkeit und Armenfürsorge: Franziskus setzte sich immer wieder für die Armen ein. Er prangert soziale Ungleichheit, Kapitalismus ohne menschliches Maß und eine rücksichtslose Umweltzerstörung an. Seine Enzyklika Laudato si’ (2015) ist ein Meilenstein in der Verbindung von Ökologie und Sozialethik.
Reformbemühungen in der Kirche: Er versuchte, die katholische Kirche transparenter, bescheidener und barmherziger zu machen. Besonders deutlich wurde das in seiner Haltung zu geschiedenen Wiederverheirateten, LGBTQ+-Personen und interreligiösem Dialog.

Kurienreform: Mit der Apostolischen Konstitution Praedicate Evangelium (2022) leitete er eine tiefgreifende Umstrukturierung der Römischen Kurie ein – mit Betonung auf Mission, Dezentralisierung und mehr Beteiligung von Laien, auch von Frauen.

Missbrauchsskandale: Franziskus hat verschiedene Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch durch Kleriker eingeleitet, z. B. sein Dekret „Vos estis lux mundi“ (Ihr seid das Licht der Welt). Kritiker bemängeln weiterhin ein zögerliches Vorgehen; einige führen dies auf strukturelle Hürden oder mangelnde Kooperationsbereitschaft innerhalb der Kurie zurück. In dieser ungewöhnlich scharfen Anweisung werden die Rechte der Betroffenen gestärkt und alle Bischöfe zur Anzeige und Verfolgung von Missbrauchsfällen und deren Vertuschung aufgefordert.
Globalisierung der Kirche: Er betonte die Bedeutung der Ortskirchen auch außerhalb Europas und setzte sich für stärkere Berücksichtigung kultureller Kontexte in der Seelsorge ein.

Widerstand der Kurie

Seine größten Probleme hatte Franziskus mit der eigenen Kurie. Sie ist ein komplexes Machtsystem mit starken Eigeninteressen. Reformen stießen dort oft auf strukturelle Trägheit, unterschiedliche theologische Auffassungen und interne Konflikte. Ein Großteil der Kurie zeigte Vorbehalte gegenüber dem Reformkurs von Franziskus. Besonders umstritten sind seine Aussagen zur Homosexualität, der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen und die Dezentralisierung kirchlicher Entscheidungsprozesse. Diese Themen führten zu kontroversen Diskussionen und kritischen Äußerungen einiger Kardinäle. Franziskus fuhr sozusagen „mit angezogener Handbremse“. Der neue Papst könnte mit einer Neuberufung von Schlüsselpositionen eigene Akzente setzen, um „Vollgas“ geben zu können.

Der nächste Papst: Leo XIV.

In seiner ersten Ansprache betonte Leo XIV. die Fortsetzung des Weges, den die Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingeschlagen hat. Er hob zentrale Aspekte hervor, darunter:

  • Die Rückkehr zum Primat Christi in der Verkündigung,
  • die missionarische Umkehr der christlichen Gemeinschaft,
  • das Wachstum in Kollegialität und Synodalität,
  • die Aufmerksamkeit für den sensus fidei (Glaubenssinn), insbesondere in Formen wie der Volksfrömmigkeit,
  • die liebevolle Sorge für die geringsten und Ausgestoßenen,
  • sowie den mutigen Dialog mit der heutigen Welt.

Alle Achtung! Wenn er das alles radikal durchsetzt, trete ich wieder in die katholische Kirche ein – aber nur dann. Versprochen!

In seiner ersten Messe kritisierte er das Streben nach „Macht und Vergnügen“ und den „Mangel an Glauben“ in der heutigen Zeit. Er warnte davor, dass viele Menschen den christlichen Glauben als „etwas Absurdes“ ansehen und stattdessen nach Technologie, Geld, Erfolg und Vergnügen streben, was zu einem Verlust des Lebenssinns und der Barmherzigkeit führt. (Eine persönliche Anmerkung dazu: Wenn der Glaube als „etwas Absurdes“ verstanden wird, ist das zutreffend, aber was erwartet der Papst, wenn seine Kirche absurden Glauben lehrt? In weiten Teilen ist die Kirchenlehre gebildeten Menschen nicht mehr vermittelbar. Das ist bereits mehrfach angesprochen).

Papst Leo XIV. steht für eine Kirche, die sich den Herausforderungen der Gegenwart stellt, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Sein Fokus auf soziale Gerechtigkeit, Synodalität und den Dialog mit der Welt deutet auf einen Kurs hin, der sowohl Kontinuität als auch Erneuerung sucht. Ob beides miteinander vereinbar ist und ob er tatsächlich als Erneuerer gelten wird, bleibt abzuwarten. Erste Signale stimmen mich vorsichtig optimistisch.

 

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